Matti Kuuse: Zurück zur alten Liebe VfB Fichte

By 11. August 2019 Fußball

Autor: Nicole Bentrup / FuPa / Foto: Starke

 

Matti Kuuse kehrt nach zweieinhalb Jahren aus der Schweiz zum VfB Fichte zurück und verrät das Geheimnis seiner „Ewald-Lienen-Gedächtnis-Narbe“.

Im Juli 2016 hieß es für Matti Kuuse Abschied nehmen. Der damals 23-jährige Torhüter des VfB Fichte nahm ein Jobangebot in der Schweiz wahr und verließ neben seinem langjährigen Verein auch seine Familie und Freunde. Rund zweieinhalb Jahre später kehrte er – im Dezember 2018 – in die Heimat zurück. Nun hütet er, nach einem kurzen Intermezzo beim SC Vlotho, wieder den Kasten „seiner Hüpker“.

Als Zimmermann ging Kuuse ins Land der Eidgenossen, als Groß- und Außenhandelskaufmann kehrte er zurück und in diesem Beruf ist er nun wieder in Bielefeld tätig. „Die Zeit in der Schweiz war toll und ich konnte unheimlich viele Erfahrungen sammeln, die ich in dieser Form hier sicherlich nicht hätte sammeln können“, sagt Matti Kuuse. Der heute 26-Jährige blickt dennoch mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück: „Ich habe unheimlich viele tolle Menschen kennengelernt zu denen der Kontakt bis heute besteht.“ In den ersten drei Monaten war Kuuse in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht, ein kleines dunkles Zimmer mit viel Holz. Nachdem er sich seinem „Dorfclub“, dem FC Kerzers, angeschlossen hatte, ging alles ziemlich fix. „Ich habe dann ein besseres Jobangebot bekommen, bin mit ein paar Mannschaftskameraden in eine Wohngemeinschaft gezogen und dann so richtig in der Schweiz angekommen“, erzählt er. Obwohl er, wenn man mit ihm telefonierte, schon ein wenig „Schwitzerdütsch“ sprach, konnte und wollte er seine Bielefelder Wurzeln jedoch nie verschweigen. „Hier ist meine Heimat und das wird immer so bleiben“, gerät Kuuse fast ein wenig ins Schwärmen.

»Solch einen tollen Zusammenhalt habe ich noch nie erlebt«

„Als ich im Januar 2018 nach meinem Urlaub zurück in die Schweiz fuhr, habe ich den Entschluss gefasst, dass ich zurückkommen werde. Acht Stunden alleine im Zug, da hat man viel Zeit zum Nachdenken“, sagt er lachend. Mit einer 70 zu 30-Entscheidung sei er in der Schweiz ausgestiegen. Diese behielt er jedoch zunächst noch für sich. Er wollte seine Weiterbildung unbedingt beenden.

Sportlich hütete er beim FC Kerzers in der 2. schweizer Liga das Tor. „Ich hatte auch ein Angebot vom SC Düdingen, die spielten in der 4. Liga, welche vergleichbar mit der deutschen Regionalliga ist“, so Kuuse, der jedoch ablehnte, weil er beim FC Kerzers mittlerweile fest verwurzelt war. 200 bis 300 Zuschauer kamen zu jedem Heimspiel am „Erli.“ „Solch ein Vereinsleben und so ein toller Zusammenhalt wie in Kerzers, das habe ich vorher noch nie erlebt, es war einfach grandios.“ Zu seiner Abschiedsparty kamen übrigens 65 Leute – auch das muss man sich in zweieinhalb Jahren erst einmal aufbauen.

Als der Entschluss nach Bielefeld zurückzukehren feststand, bekam Matti Kuuse einige Angebote von diversen Vereinen. Das erste kam vom SC Vlotho, für den er sich schlussendlich auch entschied. „Ich hätte auch in die Bezirksliga gehen können, aber das kam nicht in Frage – mit nur einem Schiedsrichter komme ich nicht klar“, berichtet Kuuse lachend, der für seine „liebevollen Diskussionen“ mit den Unparteiischen bekannt ist.

Nach einem halben Jahr in Vlotho war dann für Kuuse Schluss und er entschied sich für eine Rückkehr zu seinem Leib- und Magenverein, dem VfB Fichte. „Das ist einfach ein Stück Heimat, ich kenne das Stadion, die Leute, ich fühle mich wohl.“

Auf die Frage, was er denn aus der Schweiz so mitgebracht hätte, antwortet Kuuse wie aus der Pistole geschossen: „Eine ’Ewald-Lienen-Gedächtnisnarbe’.“ Während seinem Auslandsaufenthalt hat er die Liebe zum Snowboarden entdeckt. Gemeinsam mit Kumpels sei er auf der Piste gewesen, habe zwei Eisblöcke übersehen und sei mit dem Oberschenkel auf dem Board seines Kollegen gelandet. Das Ergebnis: Eine 15 Zentimeter lange, vier Zentimeter tiefe und vier Zentimeter breite Wunde am Oberschenkel. „Mit 13 Stichen haben sie mich genäht, die letzte Aprés Ski Party habe ich noch mitgemacht, da war nach drei Glühwein aber auch der Ofen aus“, erinnert sich Kuuse lachend zurück. Nach zweieinhalb Wochen hat er übrigens wieder das Tor des FC Kerzers gehütet. „Keine gute Idee“, sagt er rückblickend. Bleibt zu hoffen, dass er künftig verletzungsfrei bleibt und die Hütte des VfB Fichte in der Westfalenliga sauber halten kann.