Die Ereignisse rund um das Jugendturnier in Gadderbaum haben in den vergangenen Wochen für
erhebliche Aufmerksamkeit gesorgt. Was uns dabei besonders beschäftigt, ist nicht nur der Vorfall
selbst, sondern vor allem die Art und Weise, wie bereits kurz nach den Geschehnissen öffentlich
darüber berichtet wurde.
Unmittelbar nach dem Vorfall entstanden in der Öffentlichkeit Darstellungen, die den Eindruck
vermittelten, unser Trainer hätte einen Schiedsrichter körperlich angegriffen. Diese Darstellung
verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit in sozialen Medien, im Fußballumfeld und weit über die
Grenzen unseres Vereins hinaus.
Heute, nachdem der Sachverhalt durch das Sportgericht bewertet wurde und weiteres Videomaterial
vorlag, steht fest, dass diese Darstellung so nicht aufrechterhalten werden kann.
Unser Trainer wurde weder wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Schiedsrichter noch wegen einer
Beleidigung oder Bedrohung bestraft. Das Sportgericht sprach eine Verwarnung wegen unsportlichen
Verhaltens aus. Dieses Urteil akzeptieren wir.
Ebenso akzeptieren wir die gegen unseren Verein ausgesprochene Geldstrafe aufgrund des
Verhaltens einzelner Zuschauer. Wir haben zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass auf unserer Seite
alles richtig gelaufen ist. Unser Trainer hat sein Verhalten selbstkritisch reflektiert und
Verantwortung für seinen Anteil an der Eskalation übernommen. Die ausgesprochene Verwarnung
wurde von ihm und vom Verein akzeptiert.
Was wir jedoch nicht akzeptieren können, ist die Tatsache, dass bereits sehr früh öffentliche Urteile
gefällt wurden, bevor eine umfassende Aufarbeitung überhaupt möglich war.
Nach unserem Kenntnisstand stützten sich die ersten Berichte auf sehr wenige Informationen. Zu
diesem Zeitpunkt lagen weder die später bekannt gewordenen Videoaufnahmen vor, noch waren
sämtliche Beteiligten angehört worden. Dennoch wurde ein Bild gezeichnet, das unseren Verein und
insbesondere unseren Trainer massiv belastet hat.
Die Folgen dieser Berichterstattung waren erheblich, der entstandene Imageschaden war enorm.
Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, dass zwischen ersten Vermutungen, laufenden Ermittlungen
und tatsächlich festgestellten Sachverhalten unterschieden wird.
Besonders enttäuschend ist für uns, dass die spätere sportgerichtliche Bewertung und die inzwischen
bekannten Erkenntnisse bei weitem nicht dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wie die
ursprünglichen Vorwürfe.
Die erste Schlagzeile erreicht tausende Menschen.
Die spätere Einordnung erreicht oft nur noch einen Bruchteil davon.
Genau darin liegt das Problem.
Wir wünschen uns deshalb einen verantwortungsvollen Umgang mit solchen Vorfällen – von allen
Beteiligten.
Dazu gehören Vereine, Zuschauer, Funktionäre, Schiedsrichter, aber eben auch die Medien.
Gerade im Jugendfußball sollte gelten, dass eine sorgfältige Aufarbeitung vor spektakulären
Schlagzeilen steht.
Was uns besonders trifft, ist, dass die öffentliche Wahrnehmung der vergangenen Wochen in keinem
Verhältnis zu der Arbeit steht, die viele Menschen in unserem Verein seit Jahren leisten.
Der VfB Fichte Bielefeld versteht sich nicht nur als Sportverein. Wir begleiten täglich zahlreiche
Kinder und Jugendliche in ihrer sportlichen, persönlichen und sozialen Entwicklung.
Mit Projekten wie unserer Zukunftsakademie, mit der Arbeit unserer Trainer und Ehrenamtlichen
sowie mit unserem Engagement für Bildung, Integration und gesellschaftliche Teilhabe übernehmen
wir seit Jahren Verantwortung weit über den Sport hinaus.
Unsere Mannschaften spiegeln die Vielfalt unserer Stadt wider. Diese Arbeit ist anspruchsvoll und
herausfordernd, aber sie ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres Vereinsverständnisses.
Tag für Tag investieren unsere Trainer, Ehrenamtlichen und Unterstützer Zeit, Energie und Herzblut,
um jungen Menschen Orientierung, Gemeinschaft und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Viele
Kinder und Jugendliche finden bei uns nicht nur einen Sportverein, sondern einen Ort der
Zugehörigkeit, der Verlässlichkeit und der persönlichen Entwicklung.
Die gegen unseren Trainer ausgesprochene Freistellung wurde inzwischen aufgehoben. Nach
intensiven Gesprächen sind wir überzeugt, dass er die notwendigen Lehren aus den Ereignissen
gezogen hat. Deshalb genießt er weiterhin das Vertrauen unseres Vereins.
Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, ähnliche Situationen künftig zu vermeiden. Dazu gehört
auch, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren und Verantwortung dort zu übernehmen, wo
Fehler gemacht wurden.
Gleichzeitig erwarten wir, dass auch die öffentliche Bewertung solcher Vorfälle künftig auf einer
vollständigen Faktenlage beruht.
Denn Fairness sollte nicht nur auf dem Spielfeld gelten.
Der VfB Fichte Bielefeld steht für Jugendfußball, gesellschaftliche Verantwortung, Integration,
Bildung und die Entwicklung junger Menschen. Daran werden wir auch weiterhin mit voller
Überzeugung arbeiten.
Wir wünschen uns, dass unser Verein künftig an dieser Arbeit gemessen wird – und nicht
ausschließlich an den ersten Schlagzeilen eines einzelnen Tages.